R-Star Wars - John Williams und Volker Wieland im Streitgespräch über den neutralen Zins

In zahlreichen Studien argumentieren Ökonomen, dass sich der „natürliche Zins“ in den vergangenen Jahren deutlich nach unten entwickelt hat. Darauf stützend ziehen auch Notenbanken diese Entwicklung immer wieder als Begründung ihrer Niedrigzinspolitik heran. In zwei Streitgesprächen haben John Williams, Präsident der San Francisco Fed, und Volker Wieland über die Frage des neutralen Zinssatzes debattiert.

Williams zufolge treiben das tendenziell niedrigere Wirtschaftswachstum, die demographische Entwicklung und höhere Prämien auf risikoreiche Anlagen den neutralen Zinssatz nach unten. Er spricht sich dafür aus, diese Faktoren im Rahmen der Taylor-Regel zu berücksichtigen. Eine Möglichkeit sieht Williams in der Ausrichtung der Geldpolitik nach dem Preisniveau statt der Orientierung an einem Inflationsziel.

Wieland dagegen macht vor allem auf die erhebliche Unsicherheit aufmerksam, die mit dem natürlichen Zinssatz verbunden ist, und zeigt die extreme Abhängigkeit des neutralen Zinses von den zugrundeliegenden Annahmen. Er empfiehlt daher, den geldpolitischen Kurs nicht am Gleichgewichtszins als bestimmenden Faktor auszurichten.

Das erste Streitgespräch fand im Rahmen der Konferenz „The ECB and Its Watchers“ am 6. April in Frankfurt statt. Moderiert hat die Begegnung der Financial-Times-Korrespondent Sam Fleming. Das Video der Debatte können Sie hier anschauen (Beginn: 5:12). Eine Zusammenfassung des Streitgesprächs finden Sie nach dem Video.

Zum zweiten Streitgespräch trafen Williams und Wieland am 6. Mai bei einer Veranstaltung des Stanford Institute of Economic Policy Research (SIEPR) und des Hoover-Instituts in San Francisco zusammen. Moderator der Debatte war John B. Taylor vom Hoover-Institut. Das Video der Debatte finden Sie hier.

Mehr:
Publikationen von Volker Wieland zum Gleichgewichtszins