2015

14.12.2015
Prof. Volker Wieland, IMFS
Präsentation des Jahresgutachtens 2015/16 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Auf die Gefahren der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Professor Volker Wieland bei der Präsentation des Jahresgutachtens des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in einer gemeinsamen Veranstaltung von SAFE und IMFS hingewiesen. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland sei derzeit vom Konsum im Inland getragen und beruhe auf der hohen Beschäftigung und hohen Reallohnsteigerungen, es sei aber nicht unabhängig vom Ausland, warnte Wieland. Für den Euro-Raum verwies Wieland auf Sonderfaktoren wie den gesunkenen effektiven Wechselkurs, die die Nachfrage stimulieren. Ein Blick auf das Wirtschaftswachstum in den Ländern im Euro-Raum, die schon früh Strukturreformen umgesetzt hatten, wie Irland oder Spanien, zeige zwar, dass diese nun von einer schnelleren Erholung profitierten. Insgesamt sei das Wachstum jedoch angetrieben von der Geldpolitik und damit „nicht nachhaltig“.

Der Sachverständigenrat sei skeptisch angesichts der expansiven Geldpolitik der EZB und habe keinen Grund für eine weitere Lockerung im Dezember gesehen. Stattdessen fürchte der Sachverständigenrat Risiken für die Finanzstabilität. Insbesondere bei Finanzintermediären wie Versicherungen beeinträchtige die Niedrigzinspolitik das Geschäftsmodell und könnte zu Verwerfungen führen. Dieser Effekt sei umso stärker, je länger die Niedrigzinspolitik anhalte, warnte Wieland. Sollte die Notenbank ihre Geldpolitik wieder straffen, brächte dies große Probleme mit sich. Auch die nachlassenden Konsolidierungsbemühungen der Regierungen im Euro-Raum prangerte er an. „Es ist ein Problem, wenn die Geldpolitik der EZB dazu führt, dass die Regierungen wegen der günstigen Finanzierungsbedingungen ihre Reformbemühungen in die Zukunft verlagern“, sagte er.

Angesichts der Flüchtlingsfrage in Deutschland wies Wieland zu optimistische Prognosen wie von der EU-Kommission zurück, die in Europa durch die Flüchtlingen mit einem Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent bis zum Jahr 2017 rechnet. Die Integration der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt sei ein langfristiger Prozess, sagte Wieland. „Eine schnelle Integration ist unrealistisch“. Als Zeichen, dass sich Deutschland aus Sicht des Sachverständigenrats derzeit wirtschaftlich in die falsche Richtung entwickelt, haben die Experten ihr Gutachten 2015/16 „Zukunftsfähigkeit in den Mittelpunkt“ getauft. Hürden für das Wirtschaftswachstum wie Mütterrente, Mindestlohn und Mietpreisbremse, die der Sachverständigenrat bereits in früheren Gutachten angemahnt hatte, stünden zwar nicht mehr im Fokus, hätten aber nichts von ihrer Bedeutung verloren. 

 

 

09.12.2015
Prof. Katharina Pistor, Columbia Law School, New York
"The Legal Code for Global Capital"

Über die rechtlichen Regelungen auf den weltweiten Kapitalmärkten und die Frage, wessen Rechte im Ernstfall, wie etwa bei einer Firmenpleite, den Vorzug erhalten, referierte Prof. Katharina Pistor von der Columbia Law School, New York, bei ihrem Vortrag. Im Mittelpunkt der Forschung der Max-Planck-Preisträgerin des Jahres 2012 stehen vor allem die Verflechtungen zwischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Folien zum Vortrag (PDF, 1,24 MB)
Eine Zusammenfassung des Vortrags finden Sie auf der englischen Version der Veranstaltungsseiten.

23.11.2015
Prof. Stavros Gadinis, University of California at Berkeley
"Three Pathways to Global Standards: Private, Regulator, and Ministry Networks"

Warum übernehmen Staaten internationale Standards statt per Gesetz eigene Normen zu erlassen? Wie sind Netzwerke überhaupt organisiert und welche Arten lassen sich unterscheiden? Die Ausgestaltung von Netzwerken und die Mechanismen, wie sie funktionieren, analysierte Prof. Stavros Gadinis in seinem Vortrag in der Reihe IMFS Working Lunch. Sein Vortrag basiert auf dem gleichnamigen Paper, das im American Journal of International Law (Januar 2015) erschienen ist. Eine kurze Zusammenfassung der Präsentation finden Sie auf der englischen Version der Veranstaltungsseiten.

Das Paper als Download (PDF)

15.09.2015
Dr. Emanuel Mönch, Deutsche Bundesbank
"In Search of a Nominal Anchor: What Drives Inflation Expectations?"

Die Bedeutung von fest verankerten Inflationserwartungen und wie langfristige Inflationserwartungen von aktuellen Daten und kurzfristigen Erwartungen beeinflusst werden erläuterte Dr, Emanuel Mönch, Leiter des Forschungszentrums der Deutschen Bundesbank, anhand eines Modells, das er gemeinsam mit seinen Ko-Autoren Carlos Carvalho, Stefano Eusepi und Bruce Preston entwickelt hat. Eine kurze Zusammenfassung des Vortrags steht auf Englisch zur Verfügung.

Die Folien zum Vortrag (PDF, 668 KB)

15.07.2015
Ludger Schuknecht, Federal Ministry of Finance
"Stability in the Eurozone: Challenges and Solutions!

Dr. Ludger Schuknecht ist als Abteilungsleiter im Bundesfinanzministerium zuständig für Grundsatzfragen und internationale Wirtschaftspolitik. In seinem Vortrag erläuterte er die Bedeutung solider öffentlicher Finanzen, einer wettbewerbsfähigen Realwirtschaft und funktionierender Finanzmärkte für die Stabilität in der Eurozone.

Eine Zusammenfassung des Vortrags finden Sie auf der englischen Version der Website.
Die Folien zum Vortrag stehen hier zum Download bereit.

01.07.2015
Tobias Adrian, Federal Reserve Bank of New York
"Global Pricing of Risk and Stabilization Policies"

Tobias Adrian, Ph.D., ist Associate Director der Federal Reserve Bank of New York und head of the Capital Markets Function im Bereich Forschung und Statistik. Er ist Research Fellow am IMFS. Eine Zusammenfassung seines Vortrags finden Sie auf der englischen Version der Seite.

Die Präsentation zum Vortrag (PDF, 1,0 MB)

18.05.2015
Michael Haliassos, Goethe-Universität, Center for Financial Studies
"The Greek Crisis: Where to Next?"

Das griechische Schuldendrama geht von einem Akt zum nächsten. In seinem Vortrag in der Reihe IMFS Working Lunch warf Michael Haliassos, Professor für Makroökonomie und Finanzen an der Goethe-Universität und Direktor am Center for Financial Studies (CFS), einen Blick zurück auf den Ursprung der Krise in Griechenland und die aktuelle ökonomische Situation. Nach Einschätzung von Haliassos könnten wenige simple Reformen dazu beitragen, das Land deutlich nach vorn zu bringen. Nähere Informationen zum Vortrag finden Sie auf der englischen Version dieser Seite.

Die Veranstaltung als Bildergalerie

27.04.2015
Helmut Siekmann, IMFS, Goethe-Universität
"Legal limits for the outright purchase of sovereign debt by the ESCB"

Eine kurze Zusammenfassung des Vortrags finden Sie auf der englischen Version dieser Seite. Die Folien zum Vortrag können hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen:

  • IMFS Working Paper 89, Helmut Siekmann
    "The Legal Framework for the European System of Central Banks" (PDF, 480 KB)
  • IMFS Working Paper 90, Helmut Siekmann
    "The Legality of Outright Monetary Transactions (OMT) of the European System of Central Banks" (PDF, 3324 KB)
25.02.2015
Tobias Tröger, Goethe-Universität
"How special are they? Targeting Systemic Risk by Regulating Shadow Banking"

Schattenbanken gelten als Mitverursacher der weltweiten Finanzkrise. Die Regulierung des Schattenbankensektors ist daher mit hohen Erwartungen verbunden. Doch zwischen Banken und Schattenbanken bestehen zahlreiche Verbindungen. In seinem Vortrag beschreibt Prof. Tobias Tröger, Assoziierter Professor am IMFS, welcher Ansatz den Regulierungsbestrebungen zugrunde liegt und welche Gefahren damit verbunden sind. Zudem zeigt er mögliche Alternativen auf.

  • Eine Zusammenfassung des Vortrags finden Sie auf der englischen Version der Seite.
  • Die Präsentation zum Vortrag (PPT).
  • Das Paper kann hier heruntergeladen werden.
29.01.2015
Michael Binder, Goethe University
"Determinants and Output Growth Effects of Debt Distress"

Während die möglichen Gefahren einer Überschuldung bekannt sind, besteht große Unsicherheit, welche Größenordnung die Kosten einer Überschuldung erreichen. In seinem Vortrag stellte Professor Michael Binder, Chair for International Macroeconomics & Macroeconometrics, Goethe-Universität Frankfurt, ein Modell vor, um die negativen Auswirkungen auf das Wachtumspotenzial überschuldeter Länder zu ermitteln.