IMFS Policy Webinars




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How investors are reaching for yield in a period of large and persistent decline in real interest rates was the question Prof. John Y. Campbell addressed during his IMFS Policy Webinar on June 10. Campbell, Professor of Economics at Harvard University and renowned expert in the field of finance and macroeconomics, pointed out that this was a question also much discussed by central bankers as this situation can create incentives for investors to take on risk or to employ additional financial leverage. However, the standard finance theory does not predict reaching for yield. „Normally, risktaking depends on risk premium, risk, and risk aversion but not riskfree interest rates, „ Campbell pointed out. Looking at the approach among endowments and sovereign wealth fund, Campbell, in his joint research with Roman Sigalov, added a sustainable spending constraint to the standard model. „This implies that wealth is expected to remain constant: the investor cannot plan to run down or accumulate wealth.“ As Campbell explained, this is also applicable to individuals. „Many individuals have a reluctance to run down wealth by dissaving but are willing to take risk“. The reaching for yield gets stronger when interest rates are low“

Usually, the risky share of an investor’s portfolio depends on the reward for taking risk and on risk aversion but not on the riskfree interest rate. Campbell analyzed whether lower riskfree rate or greater impatience lead investors to want higher consumption (lower marginal utility) today relative to expected future consumption (marginal utility). In the standard model, this is achieved by dissaving.With a sustainable spending constraint, it is achieved by taking risk.This allows higher spending today, and the negative consequence, the riskier consumption, is realized in the future.

 Campbell comes to the conclusion that investors take risk as a way to increase current consumption at the cost of more volatile future consumption. „The model predicts  that reaching for yield gets stronger when the riskfree rate is low, and the more risk the investor is willing to take.“



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Die Entwicklung des Bitcoin-Kurses gleicht einer Achterbahnfahrt. Nachdem im April ein neuer Höchststand von 60.000 US-Dollar erreicht wurde, notiert der Bitcoin Ende Mai bei über 30.000 US-Dollar. Trotz solcher Schwankungen stoßen die digitalen Währungen derzeit auf großes Interesse. In einem IMFS Policy Webinar gab Prof. Harald Uhlig von der University of Chicago einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich. Seit der geheimnisvolle Erfinder des Bitcoin, Sakashi Nakamoto, 2008 das Konzept einer digitalen Währung entwickelt hat, sind viele weitere digitale Währungen entstanden. Ethereum, Tether, Ripple oder Litecoin sind nur ein paar weitere Namen auf der Liste der Kryptowährungen. Während Facebook seine Pläne für seine Blockchain-Digitalwährung Libra zurückstutzen musste und von der Schweiz in die USA verlagerte, um die Regulierungsbehörden an Bord zu holen, zeigte sich Uhlig überzeugt, dass dieser Trend weitergehen wird. "Es werden noch mehr Player kommen. Die Technologie ist einfach".

Die Europäische Zentralbank steht dabei noch relativ am Anfang der Gestaltung eines digitalen Euros. Auf den Bahamas und in der Ostkaribik ist dagegen bereits eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) in die Praxis umgesetzt. Mit der CBDC sieht Uhlig die Zentralbanken in einem Trilemma. "Von den drei Zentralbankzielen Preisstabilität, Finanzstabilität und Effizienz können die Zentralbanken nur zwei erreichen und müssen sich dann entscheiden, welche."

In seinem Resümee blieb Uhlig optimistisch. In einer sich dramatisch verändernden Währungslandschaft stünden die Zentralbanken im Wettbewerb und müssten handeln. Auf der anderen Seite argumentierte er, dass CBDC den Zentralbanken viele neue Werkzeuge böten, die erprobt werden sollten. "In den vergangenen zehn Jahren, die von negativen Nominalzinsen geprägt waren, saßen die Zentralbanken bei der Untergrenze von Null fest. CBDC bringen neue Möglichkeiten, die Wirtschaft zu stimulieren." Insgesamt sieht Uhlig die Technologie noch in einem Anfangsstadium. "Es gibt viele technologische Möglichkeiten, aber sie sind noch nicht greifbar. Das ist wie beim Aufkommen des iPads."



Während sich die Weltwirtschaft ingesamt gesehen gut entwickelt und auch in Deutschland teilweise eine kräftige Erholung zu verzeichnen ist, ist angesichts der dritten Corona-Ansteckungswelle vor allem die Impfstrategie entscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf. So lautet die derzeitige Einschätzung von Prof. Volker Wieland. In einem IMFS Policy Webinar gab Wieland einen Ausblick auf die weitere Wirtschaftsentwicklung und die Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft steht, basierend auf der aktualisierten Konjunkturprognose des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Demnach hat der Welthandel bereits zum Jahreswechsel bereits wieder das Vorkrisenniveau erreicht und das verarbeitende Gewerbe hat sich in den Vereinigten Staaten, in China und im Euroraum kräftig erholt. „Vor allem die Nachfrage nach Konsumgütern und medizinischen Schutzausrüstungen waren die Treiber“. In der Folge sind die Seefrachtkosten bereits deutlich gestiegen und Lieferengpässe machen sich bemerkbar. Für die Vereinigten Staaten und China rechnet der Sachverständigenrat in diesem Jahr mit einem Anstieg des Wirtschaftswachstum um 6,3 bzw. 8,5 Prozent.

Aktuell sieht Wieland schon Auswirkungen auf die Preisentwicklung. „Die Inflation ist zurück und wird auch höher bleiben“. Neben dem Basiseffekt durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahreswechsel schlägt Wieland zufolge auch der Anstieg der Ölpreises und der Lebensmittelpreise auf die Preisentwicklung durch.

Für die deutsche Wirtschaft ergibt sich durch die Corona-Beschränkungen eine deutliche Zweiteilung. „Während das verarbeitende Gewerbe über dem Vorkrisennivau liegt, sind die konsumnahen Dienstleistungen stark beeinträchtigt. Ansichts der Risiken der aktuellen dritten Corona-Welle warnt Wieland: „Die Produktion für die Auslandsnachfrage sollte auf jeden Fall erhalten bleibe“. Momentan sieht Wieland die wirtschaftliche Entwicklung auf gutem Weg. „Wir fahren mit 95 Prozent“. Die Schließungen im Handel, in der Gastronomie, bei Veranstaltungen und die Einschränkungen bei Reisen ergeben eine Bruttowertschöpfung von knapp fünf Prozent unter Vorkrisennivau. Im kommenden Jahr rechnet Wieland bereits wieder mit einer vollen Auslastung, für das laufende Jahr erwartet der Sachverständigenrat ein plus von 3,1 Prozent.

Entscheidend für die weitere Entwicklung sei der Verlauf der dritten Corona-Welle. Der Sachverständigenrat hat sich daher für seine Konjunkturprognose intensiv mit verschiedenen Simulationen zum Impffortschritt beschäftigt und setzt auf einen deutlichen Anstieg der Liefermengen im zweiten Quartal. „Wenn die Hausärzte eingebunden wären, könnten demnach bis Mitte September schon genügend Menschen geimpft sein“. Im Vergleich mit Ländern wie Israel oder auch Chile könne Deutschland damit aber nicht punkten. „Wir sind international nicht bei den Besten“.

Die Folgen der Corona-Pandemie zeigen sich unter anderem bei den Insolvenzen und der Schuldenquote. Während die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht 2020 zu einem Rückgang der Firmenpleiten geführt hat, ist nach dem Ende der Ausnahmeregelung mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen. Bei der Schuldenstandsquote erwartet der Sachverständigenrat in diesem Jahr eine Zunahme von rund 60 auf etwa 70 Prozent. Für Länder wie Spanien sei sogar mit einem Anstieg auf rund 120 Prozent zu rechnen. Während die Schuldenbremse aufgrund der außergewöhnlichen Notsituation in diesem Jahr außer Kraft gesetzt ist, gibt sich Wieland für das kommende Jahr zuversichtlich. „Wenn der Bund seine Rücklagen nutzt, wäre eine Rückkehr zur Schuldenbremse 2022 wieder möglich“. Das Gute daran: Man müsse sich jetzt noch nicht festlegen.



Was sind die Auswirkungen von Negativzinsen und welche Nebeneffekte haben sie? Diese Frage stand im Fokus eines gemeinsamen Webinars von IWF und IMFS, bei dem Ökonomen und Zentralbankbeobachter in einer von Prof. Volker Wieland moderierten Diskussion eine Zwischenbilanz zogen. In einem gemeinsamen Papier mit IWF-Forschern kommt Gaston Gelos, Assistant Director und Leiter der Abteilung Monetary and Macroprudential Policies in der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte des Internationalen Währungsfonds, zu dem Schluss, dass es keine Belege für Bargeldhortung gibt. Andererseits beobachtet er eine effektive Übertragung auf die Preise von Vermögenswerten, da die Geldmarktsätze fast eins zu eins reagieren. Seiner Meinung nach stellt die Negativzinspolitik eine kommunikative Herausforderung dar. "Die Notenbanken müssen noch viel lernen". Seiner Einschätzung nach müssen die Zentralbanken deutlich machen, dass sie potenzielle Nebeneffekte überwachen und sollten auch den Unterschied zwischen Nominal- und Realzinsen hervorheben. Gelos zufolge sind weitere Untersuchungen über die Auswirkungen auf Nicht-Banken oder grenzüberschreitende Spillover notwendig.

Silvana Tenreyro, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der London School of Economics, argumentierte, sie sehe keine eindeutigen Beweise, dass negative Zinssätze die Gewinne der Banken insgesamt reduziert hätten. Sie wies darauf hin, dass die Finanzmarktkanäle der Geldpolitik unter negativen Zinssätzen effektiv funktioniert haben und auch die Kanäle für die Kreditvergabe der Banken effektiv waren. Allerdings sei die Kommunikation mit der Öffentlichkeit wichtig, sagte Tenreyro.

Nach Ansicht von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, hat die Negativzinspolitik nur einen geringen Einfluss auf die Inflation. "Aber im Laufe der Zeit werden die negativen Nebeneffekte immer deutlicher", warnte er. Er geht davon aus, dass die expansive Wirkung mit der Zeit abnehmen wird. "Die Verbraucher können den Konsum nicht ewig vorziehen". Seiner Ansicht nach ist auch die Zombifizierung von Unternehmen ein wichtiger Aspekt. Außerdem warnte er davor, dass die Jagd der institutionellen Anleger nach Rendite in einer Blase enden könnte. Krämer betonte auch die Bedeutung einer Exit-Strategie. "Bevor man die Zinsen anhebt, muss man das Quantitative Easing beenden", was für die Europäische Zentralbank (EZB) schwierig sein werde, sagte Krämer. Er sieht auch die Gefahr, dass es zu Insolvenzen kommt. "Die EZB ist sich dessen bewusst, könnte aber trotzdem zögern, die Zinsen zu erhöhen", schloss er.



Warum die Welt auf einen Anstieg der Inflation zusteuert und welche globalen Trends diesen Wandel verursachen, war das Thema des IMFS-Webinars mit Charles Goodhart und Manoj Pradhan zusammen mit Peter Praet am 25. Januar. In ihrem Buch "The Great Demographic Reversal. Ageing Societies, Waning Inequality, and an Inflation Revival" beschreiben Goodhart und Pradhan globale Zukunftstrends, die ihrer Meinung nach einen deutlichen Preisanstieg auslösen.

In der von Volker Wieland moderierten virtuellen Diskussion bezweifelte Peter Praet, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, dass diese Umkehr in naher Zukunft eintreten wird. Er betonte jedoch die Notwendigkeit, sich auf eine solche Situation vorzubereiten, obwohl er nicht davon überzeugt war, dass die Gesellschaften dazu bereit seien.

Laut Goodhart und Pradhan waren der Aufstieg Chinas, die anschließende Beschleunigung der Globalisierung und die wachsende Zahl der Arbeitnehmer die entscheidenden Faktoren der letzten siebzig Jahre. Während dieser Zeit führte die Integration Chinas zu einem Anstieg der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Verstärkt wurde dies durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen. Die Kombination all dieser Faktoren führte zu einem Rückgang der Inflation. Doch wie die britischen Ökonomen feststellten, "wird die Zukunft nicht wie die Vergangenheit sein".

Mit dem Eintritt der so genannten Baby Boomer in den Ruhestand wird die Zahl der Arbeitskräfte in vielen Ländern zurückgehen. Während Arbeiter per Definition disinflationär sind, sind jüngere und ältere Menschen inflationär, wobei die Älteren viel mehr konsumieren als die Jüngeren, erklärte Goodhart. Für die Gesellschaft als Ganzes wird die Alterung nach Ansicht der Autoren zu einem massiven Anstieg der Defizite und der Verschuldung führen. Bereits vor der Coronavirus-Pandemie stellten sie einen exponentiellen Aufwärtstrend der Schuldenquote der öffentlichen Hand fest. Gleichzeitig sagen sie eine bescheidene Produktivität voraus - die Fortsetzung eines globalen Phänomens, das bereits in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu beobachten ist.

Auch wenn es abmildernde Faktoren wie Afrika und Indien und die technologische Entwicklung geben mag, ist die Konsequenz klar. Laut Goodhart und Pradhan müssten die Politiker die Steuern erhöhen. "Das ist unattraktiv, also wird es Inflation geben". In ihrem Buch warnen sie vor dieser Entwicklung. "Weder die Finanzmärkte noch die Politik sind auf einen signifikanten Anstieg von Inflation und Löhnen oder einen Anstieg der Nominalzinsen vorbereitet." In Bezug auf die Ungleichheit stellen Goodhart und Pradhan fest, dass die Welt als Ganzes weniger ungleich wird. Ab 2010 begann die weltweite Ungleichheit zu sinken, allerdings beobachten sie, dass die Ungleichheit innerhalb eines Landes stark zugenommen hat.

Praet zollte den Autoren Anerkennung dafür, dass sie ein konkurrierendes Narrativ aufstellten und den Zusammenhang zwischen den demografischen Faktoren und der Inflationsentwicklung in vielen Ländern erkannten. Er warnte, dass die Umkehrung zu einem großen Schock führen könnte - "wenn es plötzlich passiert". Um sich darauf vorzubereiten, forderte er Änderungen im Solvenzrecht, Stresstests und bat darum, die Finanzinstitute widerstandsfähiger zu machen. Andererseits rechnete Praet nicht mit einer unmittelbar bevorstehenden Veränderung.

"In vielerlei Hinsicht ist unser Buch ein Statement, welche Trends wir sehen und was passieren könnte", so Goodhart und Pradhan abschließend. "Die Welt sollte versuchen, bereit zu sein, wenn dies eintritt."



Zuversichtlich, dass die Wirtschaft in Deutschland Anfang 2022 wieder das Niveau vor der Corona-Krise erreicht, zeigte sich Prof. Volker Wieland im IMFS Policy Webinar am 13. November 2020. „Die Pandemie bestimmt den Konjunkturverlauf“, sagte Wieland bei der Vorstellung des Jahresgutachtens des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem er seit 2013 angehört. Zwar bestünden noch immer Risiken, doch die Lieferketten seien intakt und die Branchen im Lockdown machten nur einen kleineren Teil der Wirtschaftsleistung aus. So rechnet der Sachverständigenrat in diesem Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,1 Prozent. Im kommenden Jahr könnte die Wirtschaft dann wieder um 3,7 Prozent zulegen. „Es ist eine ganz andere Art von Krise als die Finanzkrise“, hob Wieland hervor. Sowohl die Industrieproduktion als auch der Warenhandel hätten sich deutlich schneller erholt als nach der Finanzkrise.

Stützend wirkten Wieland zufolge dabei sowohl die schnelle Reaktion in der Geldpolitik als auch die immensen fiskalischen Hilfsmaßnahmen wie beispielsweise Kurzarbeit, Überbrückungshilfen, Kredite und Steuererleichterungen . Ein Volumen von 1,35 Billionen Euro umfasst das Notfallkaufprogramm PEPP, das die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte März ankündigte und bei dem sie im Juni noch einmal nachlegte. Das Konjunkturpaket der Bundesregierung dürfte die Wirtschaftsleistung nach Berechnungen des Sachverständigenrats in diesem Jahr um 0,7 bis 1,3 Prozent erhöhen. Bis jetzt hätten Unternehmen sogar nur ein kleineren Teil der Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Im EU-Aufbaufonds sieht Wieland zudem die Chance, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Die Hilfsmaßnahmen seien jedoch nicht immer zielgenau, sagte Wieland. „Eine Senkung der Stromsteuer und eine Ausweitung des steuerlichen Verlustvortrags wären sinnvoller gewesen als die Umsatzsteuersenkung“. Auch Steuererhöhungen oder eine Vermögensabgabe seien der völlig falsche Weg. „Wir können über das Wirtschaftswachstum aus den Schulden herauswachsen.“ Denn der Anstieg der Schulden sei weniger hoch als nach der Finanzkrise. So rechnet der Sachverständigenrat damit, dass die Schuldenquote von 58,7 Prozent 2019 im laufenden Jahr auf 72,1 Prozent steigt. Für 2021 prognostiziert der Sachverständigenrat einen leichten Rückgang auf 71,1 Prozent. Um auf zukünftige Krisen angemessen reagieren zu können, sei es jedoch notwendig, geld- und fiskalpolitische Maßnahmen nach der Krise auch wieder zurückzufahren, sagte Wieland weiter. „Die EZB sollte deshalb im kommenden Jahr eine Ausstiegsstrategie aus der lockeren Geldpolitik kommunizieren und zeigen, wie sie die Anleihebestände wieder reduzieren will.“

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Zum Jahresgutachten 2020/21 des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung



Drastische Einbußen in der Industrieproduktion, wesentlich stärker als in der Finanzkrise, ein nie dagewesener Einbruch des Konsumentenvertrauens, sinkende Wirtschaftsleistungen, ob in Deutschland, im Euroraum oder in China. Ausgehend von aktuellen Daten aus der Corona-Krise hat Prof. Volker Wieland beim IMFS Policy Webinar einen Überblick über die konjunkturelle Lage in Deutschland gegeben und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen analysiert.

Am Vortag hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, zu dessen Mitgliedern Wieland seit 2013 gehört, seine Konjunkturprognose für Deutschland für dieses Jahr auf -6,5 Prozent gesenkt, während er für das kommende Jahr ein Wachstum von 4,9 Prozent erwartet. Für den Euroraum prognostizieren die Ratsmitglieder im laufenden Jahr einen Rückgang um 8,5 Prozent. „Erst 2022 ist damit zu rechnen, dass wir wieder das Vorkrisenniveau erreichen“, sagte Wieland in seinem virtuellen Vortrag. Weil die Entwicklung im Euroraum und in den Vereinigten Staaten schlimmer ausgefallen sei, als zunächst absehbar, sei die Konjunkturprognose niedriger ausgefallen als das Risikoszenario, von dem der Sachverständigenrat im März ausgegangen war, als kaum Daten zu den Auswirkungen des Coronavirus vorlagen.

Während die Pandemie inzwischen in Europa rückläufig ist und sich der Schwerpunkt in andere Regionen verlagert, deuten Echtzeitdaten auf eine allmähliche Erholung hin, wie Wieland sagte. Seit Anfang Mai zeige der Index für Lkw-Fahrleistungen wieder nach oben und auch der Stromverbrauch nehme weiter zu, nachdem er zwischenzeitlich etwa in Italien um bis zu 80 Prozent eingebrochen war. Um die Erholung zu stützen, hat die Bundesregierung bereits 353 Milliarden Euro an haushaltswirksamen Maßnahmen und 819 Milliarden Euro an Darlehen und Garantien beschlossen – laut Wieland etwa 33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland und Italien seien demnach die Länder im Euroraum mit den größten fiskalischen Stützungsmaßnahmen. Ausschlaggebend für den gegenwärtigen Aufwärtstrend sei dies jedoch nicht. „Der Haupteffekt im zweiten Quartal kommt durch die Lockerungen, nicht durch das Konjunkturpaket“, so Wieland. Den weiteren Verlauf der Erholung sieht er demzufolge auch gekoppelt an den Grad der Einschränkungen, die Unsicherheit und die Einkommenseinbußen.

Mit dem Notfallkaufprogramm PEPP habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Beitrag in der Krise geleistet. Erst Anfang Juni hatte die EZB eine Aufstockung des Anleihekaufprogramms um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1,35 Billionen Euro beschlossen. Wichtig sei, diese Maßnahmen auch nach der Krise wieder zurückzufahren. „Das PEPP-Programm war nicht auf Dauer angelegt, da muss man die EZB dann auch beim Wort nehmen“, mahnte Wieland.

Auf europäischer Ebene könnten die Mitgliedstaaten etwa auf das im April beschlossene Paket über 540 Milliarden Euro zurückgreifen oder auch eine Kreditlinien beim Stabilitätsmechanismus ESM beantragen. Mit einem hohen Anstieg der Verschuldung rechnet Wieland in jedem Fall. Entscheidend sei, schon jetzt an die Zukunft zu denken. „Wir müssen sehen, wie wir aus der Verschuldung wieder herauswachsen und eine Vergemeinschaftung von Schulden ohne Kontrolle über die Ausgaben vermeiden.“

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As the coronavirus shapes all economic activity and also influences monetary policy, the IMFS Policy Webinar on May 19 focused on the pandemic and the adequate policy responses.

At the online event on the date when the conference “The ECB and Its Watchers“ was originally scheduled, ECB Chief Economist Philip Lane explained the current monetary policy of the ECB, pointing out that the announcement of the PEPP program has successfully halted the tightening in financial conditions and contributed to a partial reversal in the trend. In his presentation, he made clear that the ECB was “fully prepared to further adjust our instruments if warranted“. According to Lane, this included increasing the size of the PEPP and adjusting its composition, by as much as necessary and for as long as needed.

Looking at fiscal policy, Vítor Gaspar of the International Monetary Fund illustrated the strong increase in debt due to the corona crisis. According to IMF calculations public debt will amount to 122 per cent of GDP in 17 advanced economies in 2020. In the opinion of Elga Bartsch, “for the first time, fiscal policy is in the driving seat“. In her view, the spontaneous coordination between fiscal and monetary policy is a policy revolution. On the other hand, Bartsch who is Head of Economics and Markets Research at Blackrock, warned against a blurring of boundaries which could lead to a slippery slope. “The coordination does not have clear exit strategies.” She pointed out that this could cause fiscal pressure. Francesco Giavazzi of Bocconi Unversity was also convinced that “we will emerge with lots of public and private ebt” from the coronavirus pandemic. He recommended a combination of a reduction in government spending and a reduction in taxes as policy response. In his view, the winners will be “the countries that allow reallocation to happen”.

Finally, Volker Wieland illustrated the situation in Germany. He agreed that “fiscal policy is the first line of defense”. Measures such as short-time work helped employees to remain in their companies instead of being dismissed right away. However, as economic forecasts are going deeper and deeper, according to Wieland, “the strategies of easing the lockdown is key” to economic recovery.



Was die ökonomische Sicht in der Coronakrise beitragen kann, erläuterte Prof. Harald Uhlig im IMFS Policy Webinar. Dabei gab er einen Überblick über aktuelle Forschungsarbeiten zur Coronakrise und forderte die Regierung auf, umgehend eine Taskforce aus Experten unterschiedlicher Disziplinen einzurichten.

Um die Herausforderungen der Coronakrise zu bewältigen, hält Prof. Harald Uhlig von der Universität Chicago die Einrichtung einer nationalen Taskforce aus mindestens 50 Experten verschiedener Fachrichtungen für unerlässlich. Was die Volkswirtschaftslehre dazu beitragen kann, erläuterte er in einem IMFS Policy Webinar am 17. April.

Uhlig warnte, die momentane Situation könnte sich weiter verschlimmern. Angesichts des wirtschaftlichen Einbruchs, einer möglichen Gefährdung des Bankenssystems, der Überlastung des Gesundheitssystem und letztlich des drohenden Zusammenbruchs der Gesellschaft könne die volkswirtschaftliche Perspektive bei schwierigen Vorhersage- und Allokationsproblemen helfen. „Die Kompetenz der VWL liegt dabei in der Datenanalyse und dem Umgang mit dynamischen Modellen“, sagte Uhlig und gab einen Überblick über neueste Forschungsarbeiten zu COVID19 aus ökonomischer Sicht. 

So haben die Forscher  Jesús Fernandez-Villaverde und Chad Jones auf der Basis eines von Epidemiologen häufig genutzten Modells die Entwicklung der Todeszahlen für Italien bei unterschiedlicher Dauer eines Lockdowns geschätzt. Uhlig selbst ist in einem neu veröffentlichten Forschungspapier der Frage nachgegangen, wie Menschen bei einer Öffnung nach dem Lockdown das eigene Verhalten ändern. Zusammen mit Dirk Krueger von der Universität von Pennsyvania und Taojun Xie von der Universität Singapur kommt er zu dem Schluss, dass Personen, die das Ansteckungsrisiko fürchten, ihr eigenes Verhalten entsprechend anpassen. „Sie essen dann ihre Pizza lieber zuhause als im Restaurant oder schauen sich ein Fußballspiel eher im Fernsehen an als im Stadion“. Diese Verschiebung hin zu Niedrig-Infektionsgütern könne helfen, den Einbruch der Wirtschaft zu verhindern, und führe zu sektoralen Verschiebungen auf dem Arbeitsmarkt. "Dann wechselt der Kellner aus dem Restaurant zum Pizza-Lieferdienst“.

Andere Forscher setzten sich damit auseinander, wie stark die Politik in der Coronakrise eingreifen sollte: Die Ökonomen Fernando Alvarez, David Argente und Francesco Lippi vergleichen in ihren Berechnungen die Zahl der Coronatoten mit dem Ausmaß des Wirtschaftseinbruchs. Michael Greenstone und Visham Nigam von der Universität Chicago haben ausgerechnet, dass der Erhalt des Lebens in den Vereinigten Staaten durch „Social Distancing“ einen Wert von 8.000 Milliarden Dollar hat. Die unterschiedlichen Präferenzen der Menschen standen für die Forscher Andy Glover, Jonathan Heathcote, Dirk Krueger und Victor Rios-Rull im Vordergrund. Sie gingen der Frage nach, wie viel Lockdown die Menschen – abhängig von Alter und Beruf – unterstützen. In einem Forschungspapier der Ökonomen Veronica Guerrieri, Guido Lorenzoni, Ludwig Straub und Ivan Werning stand dagegen die Coronakrise als keynesianischer Angebotsschock im Mittelpunkt.

Uhlig appellierte dringend an die Bundesregierung, die Expertise aus der Volkswirtschaftslehre zu nutzen und gemeinsam mit den Erkenntnissen aus Krankenhäusern, Unternehmen und weiteren wissenschaftlichen Disziplinen in einer Taskforce zu bündeln, die wiederum in weitere Arbeitsgruppen aufgespalten werden sollte.

Die Präsentation zum Webinar (PDF)

CEPR Discussion Paper 14607 Dirk Krueger, Harald Uhlig, Taojun Xie: "Macroeconomic Dynamics and Reallocation in an Epidemic"



Wie eine schrittweise Lockerung der aktuellen Beschränkungen durch die Corona-Pandemie aussehen könnte, erläuterte Prof. Veronika Grimm in einem IMFS Policy Webinar am 16. April.

Noch gilt die Kontaktsperre und mehr als 725.000 Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet, doch viele Geschäfte dürfen bald wieder öffnen und die ersten Schüler bereiten sich auf ihre Rückkehr in ihre Klassenzimmer vor. Die Beschränkungen in Wirtschaft und Gesellschaft durch die Coronakrise haben Deutschland in weiten Teilen lahmgelegt. Wie eine Strategie für eine schrittweise Öffnung aussehen könnte, erläuterte Veronika Grimm von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in einem IMFS Policy Webinar. Flexibilität sei dabei ein entscheidender Faktor. „Wenn die Infektionszahlen aus dem Ruder laufen, hat man nicht zwei oder drei Wochen Zeit, um darauf zu reagieren“, sagte die Professorin für Wirtschaftstheorie – seit April vorgeschlagenes Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – , die in einer interdisziplinären vierzehnköpfigen Forschergruppe ein Positionspapier für eine risikoadäquate Ausstiegsstrategie erarbeitet hat.

Im gegenwärtigen Stillstand durch die Corona-Pandemie seien verschiedene Dimensionen von Bedeutung: der Druck auf die Wirtschaft, soziale Härten und medizinische Folgen. Die Frage, wo wann und wie wieder gearbeitet werden kann, sei deshalb multidisziplinär zu beantworten. Grimm setzt sich daher für die Einführung von Taskforces ein, in denen Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen auf Länderebene und national zusammenarbeiten. Solche Taskforces müssten etwa die Auswirkungen von Lockerungen beobachten und immer wieder neu überlegen, welche Reaktion angebracht sei. Eine Empfehlung einer Taskforce erleichtere es auch Entscheidungsträgern, ihr Handeln in der Öffentlichkeit zu begründen. Regional unterschiedliche Strategien sind nach Einschätzung von Grimm wegen der unterschiedlichen Infiziertenzahlen oder dem Angebot an Intensivbetten angemessen. „Wichtig aber wären Regeln, die sich an Indikatoren orientieren, um die Unsicherheit zu minimieren“, betonte sie.

Auch aus Unternehmenssicht seien vor allem klare Rahmenbedingungen und ein gewisser Vorlauf notwendig. „Man kann umso mehr lockern, je weiter die vorbereitenden Maßnahmen fortgeschritten sind“, sagte Grimm. Entscheidende Kriterien seien dabei neben dem Ansteckungsrisiko und den Risikogruppen die Bedeutung der Öffnung eines Bereichs für Wirtschaft und Gesellschaft und die Umsetzungsmöglichkeit von Schutzmaßnahmen. Sehr viel hänge von der Zahl derjenigen ab, die asymptomatisch infiziert seien, also keine Anzeichen zeigen, aber die Coronaviren weitergeben können.

Ein wichtiges Instrument ist Grimm zufolge die schnellstmögliche Digitalisierung des Gesundheitswesens. In den Gesundheitsämtern werde noch zum großen Teil per Telefon und Fax gearbeitet, was die Informationsabläufe unnötig verzögere. Auch app-basierter Konzepte zum Infektionsschutz könnten einen großen Schritt darstellen, wenn sie von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert würden. Ein langer, kompletter Stillstand, auch um weitere Infektionswellen zu vermeiden, sei derzeit nicht absehbar. „Wir müssen also noch sehr lange mit Schutzmaßnahmen leben und so schnell wie möglich mehr über das Virus lernen“, folgert Grimm.  

Zum Positionspapier



Mit welchen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu rechnen ist, zeigte Prof. Volker Wieland in einem IMFS Policy Webinar am 8. April, in dem er auch live auf die Fragen der Zuschauer einging.

Angesichts der Corona-Pandemie droht der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal eine größere Rezession als während der Finanzkrise 2009. Welche Auswirkungen dies haben könnte, präsentierte Prof. Volker Wieland in einem Live-Webinar am 8. April, in dem er die verschiedenen Szenarien aus dem Sondergutachten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung vorstellte. Demnach wären ein fünfwöchiger Shutdown und eine dreiwöchige Erholungsphase noch zu überbrücken. „Aber es sieht momentan nicht so aus, als ob wir damit hinkämen“, warnte Wieland. Im Vergleich zu Ende März, als das Sondergutachten veröffentlicht wurde, habe vielmehr das Risikoszenario mit einem ausgeprägten V an Wahrscheinlichkeit gewonnen.

Die Corona-Pandemie betrifft gleichermaßen die Angebots- wie die Nachfrageseite: Während auf der einen Seite die Lieferketten unterbrochen sind und z.B. Vorleistungen aus China für chemische Erzeugnisse und im Maschinenbau erschwert werden, haben die Quarantänemaßnahme andererseits die Nachfrage nach Diensleistungen wie Reisen, Veranstaltungen oder in der Gastronomie reduziert. Klassische Konjunkturpakete sind daher nach Einschätzung von Wieland nicht angebracht. „Es geht nicht darum die Nachfrage zu stimulieren, sondern die Kapazitäten durch Kredite oder Liquiditätshilfen zu erhalten“. Falsch wäre aus seiner Sicht auch eine Vermögensabgabe, die vor allem mittelständische Unternehmen träfe. „Damit würden alle Hilfsmaßnahmen konterkariert“, warnte er. Stattdessen forderte Wieland, dringend eine Ausstiegsstrategie zu diskutieren. „Wir müssen Gesundheitsregeln etablieren, mit denen die Produktion in der Wirtschaft wieder hochgefahren werden kann“. Hilfreich könnte im Ausstiegsprozess auch eine Taskforce mit Experten aus verschiedenen Disziplinen sein.

Strikt wandte sich Wieland gegen die Forderungen nach sogenannten Corona-Bonds, gemeinsame Schuldpapiere der Eurostaaten, die mit einer gesamtschuldnerischen Haftung verbunden wären ohne Einflussmöglichkeit auf die Ausgaben. Dies könnte bei den Mitgliedstaaten noch zu viel Streit führen, warnte Wieland. Er empfahl vielmehr, auf bereits bestehende Institutionen wie dem ESM zurückzugreifen. Das Stigma, das Länder wie Italien bei einer Inanspruchnahmne von Kreditlinien beim ESM fürchteten, ließe sich ausschalten, indem etwa gleich mehrere Länder darauf zurückgreifen würden. Die Interventionen der Europäischen Zentralbank, die am 18. März das PEPP-Programm angekündigt hat, sind Wieland zufolge lediglich als  temporäre Unterstützung zu bewerten. Die EZB sei in Vorleistung gegangen und könne die Risikoprämien der Länder bestenfalls über eine gewisse Zeit verringen.

Präsentation "Die gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona-Pandemie" (PDF)