Neues IMFS Working Paper von Gerhard Illing zum Thema "Economic Theory and Central Bank Independence"
In den letzten Jahrzehnten hat sich die Unabhängigkeit der Zentralbanken als Grundlage für eine glaubwürdige und wirksame Geldpolitik erwiesen. Sowohl die Vergangenheit als auch die jüngste Geschichte liefern zahlreiche Belege für katastrophale Folgen wie hohe Inflation und wirtschaftliche Stagnation, wenn Zentralbanken – denen es an Unabhängigkeit mangelte – unter starken politischen Einfluss gerieten. Spieltheoretische Modelle liefern wertvolle Erkenntnisse über die entscheidende Rolle der Unabhängigkeit. In einer Fiat-Geldwirtschaft (in der die Kosten für die Herstellung zusätzlicher Papiergeldscheine nahe Null liegen) ist die Verpflichtung zur Preisstabilität von entscheidender Bedeutung. Ohne verbindliche Regeln wäre es nicht dynamisch konsistent, an dem Versprechen der Preisstabilität festzuhalten. Das Modell von Barro Gordon (1982) ist das Arbeitsmodell für die spieltheoretische Analyse. Es baut auf der bahnbrechenden Arbeit von Kydland Prescott (1977) über dynamische Inkonsistenz auf. Der Ausgangspunkt von Barro Gordon ist eine kurzfristige Phillips-Kurve, die einen Zielkonflikt zwischen der Stabilisierung der Inflation und der Stabilisierung der Produktion verursacht. Wenn es strukturelle Verzerrungen in der Wirtschaft gibt, ist das Versprechen, eine bestimmte Zielrate einzuhalten, nicht glaubwürdig: Es besteht ein Anreiz, die Wirtschaft durch eine Erhöhung der Inflationsrate über die Zielrate hinaus anzukurbeln, um die Produktion zu steigern. Private Akteure antizipieren diesen Anreiz; sie erhöhen die Inflationserwartung im Vorfeld. Daher ist die optimale Politik nicht dynamisch konsistent (spieltheoretisch: nicht teilspielperfekt). Dies führt zu einer Inflationsverzerrung: Die Inflation ist zu hoch ( > *), ohne dass es zu einem Anstieg von Produktion und Beschäftigung kommt. Im Nachhinein betrachtet führt eine diskretionäre Politik also zu einem schlechteren Ergebnis.